27. April 1984
Ansprache des Hl.Vaters, Papst Johannes Paul II
bei der Privataudienz für den Familienbund und eine Pilgergruppe der Familienliga in der Sala Clementina
Liebe Brüder und Schwestern!
Nach unserer ersten Begegnung in der großen Gemeinschaft der Gläubigen bei der Generalaudienz heiße ich euch heute noch
in diesem mehr familiären Rahmen herzlich willkommen. Ich grüße in euch alle Mitglieder des Schönstatt-Familienbundes
und der Schönstatt-Familienliga, die sich in einer besonderer Weise dem Laien- und Familienapostolat in der Kirche
verpflichtet wissen. Der Familie gilt bekanntlich heute die besondere pastorale Sorge der Kirche. Sie bildete das
Thema der letzten Bischofssynode und ist auch das zentrale Anliegen des sich davon herleitenden wichtigen Apostolischen
Schreibens ,,Familiaris Consortio".
Die Sorge um Ehe und Familie ist eine der Hauptaufgaben einer lebensnahen und zeitgemäßen Pastoral.
Die Familie ist nicht nur die Urzelle der menschlichen Gemeinschaft, sondern auch der Kirche.
Das II.Vatikanische Konzil hat die Familie zu Recht eine "Art Hauskirche" genannt, in der "die Eltern durch Wort
und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein sollen" (Lumen Gentium 11).
Ich ermutige euch als christliche Eheleute sowie alle Familien, die ihr hier vertretet, in eurem aufrichtigen Bemühen,
diesem wichtigen Apostolat im Kreise eurer eigenen Familien nach Kräften zu entsprechen und hierbei die Lehre der Kirche
und ihres obersten Lehramtes als Richtlinie für euer Handeln zu nehmen.
Ohne das aufgeschlossene und engagierte Mitwirken gerade von euch Eltern ist es kaum möglich, den Glauben wirksam
an die nachfolgende Generation weiter zu vermitteln. Ihr seid für eure Kinder nicht nur die ersten, sondern in den
allermeisten Fällen auch die wichtigsten Glaubenszeugen. Schon von früh an spüren eure Kinder, ob ihr Wert darauf legt,
in lebendiger Verbindung mit Gott zu leben; im Vertrauen auf seine Führung, in Gemeinschaft mit Jesus Christus und
im Bewusstsein, dass ihr auf die Kraft und Führung des Heiligen Geistes vertraut. Schon früh spüren sie, ob ihr die Kirche
liebt, den Gottesdienst und die Sakramente, vor allem, ob ihr euch ernstlich müht, euren Glauben auch zu leben.
Viel wirksamer als eure Worte ist euer Leben!
Von einer Gesundung und Erstarkung der Familie als Pflanzstätte des religiösen Lebens dürfen wir entscheidende
Impulse für eine geistige Erneuerung in der Kirche und in der Gesellschaft erwarten. Eine wirklich lebendige
christliche Familie wird gleichsam von selbst in ihre Umgebung hinein apostolisch wirksam. Für die Kirche werden
solche Familien, wie das II.Vatikanische Konzil überzeugt ist, dadurch sogar "zu Pflanzstätten des Laienapostolates
wie für Priester- und Ordensberufe" (Ad gentes 19).
Möge der auferstandene Herr den Einsatz des internationalen Schönstattwerkes für die christliche Familie in seinen
vielfältigen Vereinigungen mit seiner Gnade reich befruchten. Das erbitte ich euch auf die Fürsprache unserer
Mutter Maria als besonderes Geschenk dieser eurer Rompilgerfahrt mit meinem apostolischen Segen, den ich euch
und allen Mitgliedern eurer Familienbewegung von Herzen erteile.