Aus dem Vortrag für die Bundesfamilien am 11.11.2001

Pater Chrysostomus Grill

Duc in altum

Liebe Familien!
Der Leitgedanke, der uns Familien bewegt, "Duc in altum" ist angeregt durch das Papstschreiben Novo Millenio Ineunte vom 6.1.2001. Darin heißt es, dass Jesus zu Petrus sagte: Duc in altum! Fahr hinaus auf den See, wo es tief ist! (Lk 5,4).
Ein weiterer Teil unserer Leitlinie ist von der Jahresparole der Schönstattbewegung in Deutschland genommen: Liebe ist stärker. Das können wir aszetisch deuten: Liebe ist stärker durch inneres Leben. Wir können es auch gesellschaftlich sehen als Aufgabe: der Christ ist stärker durch Liebe, nicht durch Macht oder Druckausübung (Mobbing am Arbeitsplatz) u.a.

A. Die Zeitsituation soll uns in die Tiefe führen:

Gott lässt vielgestaltige Unsicherheit zu, damit wir umso mehr Sicherheit im Herzen des Vaters suchen. Wir schauen erschreckt auf den Terror vom 11. September 2001 in den USA, auf fanatische Anhänger des Islams, die von einem heiligen Krieg reden und danach handeln, und wir schauen auf die Glaubensschwäche bei Christen und den Materialismus in vielen Ländern.
Gott wünscht von uns den wahren christlichen Bindungsorganismus. Es gibt einen verkehrten, falschen Bindungsorganismus an Ideologien, Hass, Rache gegenüber dem Feind. Wir möchten den Bindungsorganismus sehen im Blick auf Ehrfurcht vor jedem Menschen, Liebe zu jedem auch dem Feind, auch wenn wir mit dem heiligen Augustinus sagen: Geistiger Kampf gegen Irrtümer, Liebe zu allen, auch den Irrenden.

Pater Kentenich äußerte sich zum Islam im Jahre 1961 mit folgenden drei Hinweisen:

a) Der Islam wird erneut wach werden. Was ihm an politischer und militärischer Macht fehlt, ersetzt er durch eine starke Inbrunst des Herzens. Fanatischer Islam wird heute oft islamischer Fundamentalismus oder Islamismus genannt. Keine Religion darf Gott anrufen als Helfer für Mord anderer und Gewalt gegen andere. - Der Islam birgt in sich Aussagen, wie: Der Islam herrscht, wird nicht beherrscht. Er ist eine Religion des Friedens dort, wo er herrscht. Das Gebiet des Krieges ist dort, wo er noch nicht herrscht. Er kann Kriege führen, auch heilige Kriege, wo er die Völker zum Islam gerufen hat und diese nicht darauf hören, d. h. er darf gegen "Nichtgläubige", d.h. Nicht-Moslems, Kriege führen.

b) Gegenüber dem Erwachen des Islam und anderer Weltreligionen sagt P. Kentenich: Wehe uns Christen, wenn wir nicht tief im Glauben verwurzelt sind. Wir wollen uns nicht unnötig in zerfasernde Streitereien einlassen, sondern mit dem Christentum ernst machen bis in letze Wurzeln. -
Das bedeutet nicht das Gespräch mit den Moslems für unnötig halten, sondern im Gespräch christliche Liebe vorleben. Dazu muss man bedenken, dass der Islam gegen Nicht-Muslime List benützen darf, auch dessen Eigentum aneignen darf. Ein Christ von Betlehem erzählte mir anschauliche Beispiele von seiner Umgebung. - In den letzten Wochen nahm die Warnung vor naivem Dialog gegenüber dem Islam zu. Man solle alle Aspekte des Islam nennen und besprechen, auch dessen Aufrufe zum Heiligen Krieg und zu Gewalt gegenüber Nichtmoslems. Die Christen müssten dann auch eingestehen, dass es bei ihnen Zeiten oder Gruppen gab, die Gewalt angewandt haben (z.B. bei den Kreuzzügen). -
Im Blick auf Schönstatt sagt P. Kentenich, dass vom Christentum die Botschaft des Liebesbündnisses untereinander und mit allen Menschen ausgehen soll.

c) Weiter sagt uns Pater Kentenich: Wir sollen den Glauben festhalten, dass das Christentum mit der Kirche die letzte Institution ist. Es kann nach Christus kein größerer Prophet kommen. P. Kentenich ruft auf zu Reinrassigkeit des Christlichen, d.h. Festhalten am echt Christlichen. Es geht darum, den Glauben an die Dreifaltigkeit und an die Inkarnation des Sohnes Gottes treu zu bewahren. - Mutig solle man nennen, was in tiefstem Widerspruch zum Islam steht. Die Christen sollen nicht wurzellos werden, sie sollen ihre Sendung festhalten, sonst verlieren sie ihre innere Werbekraft und Durchsetzungskraft, da heute alle geistigen Strömungen ineinander fließen. -
P. Kentenich zitiert auch Bischof Graber, der im Blick auf die Geschichte den Sieg über Angriffe islamischer Völker (Türken vor Wien) auf die Bedeutung des Rosenkranzgebetes hinweist. -

Diese Aussagen P.Kentenichs kann man im Buch "Texte zur Ostsendung", (Patris-Verlag, ISBN 3-87620-152-7) Seite 168 - 172 und S. 222 nachlesen.

Papst Johannes Paul II. betont stark das Einende: der Glaube Abrahams eine alle drei monotheistischen Religion der Juden, Christen und Moslems. Die Religionen Abrahams haben einiges, in denen sie im Gottesbild geeint sind, nämlich Gott ist der Allmächtige und der Barmherzige. Die Frage taucht aber auf: Ist das, was mit Allah gemeint ist, wirklich in allem mit dem Gottesbegriff der Christen eins.
Adelgunde Mertensacker sagt: Da der Koran Jesus Christus als Gott leugnet und sein Erlösungswerk, seinen Tod am Kreuz, als Betrug hinstellt, kann der Verfasser dieses islamischen Buches nicht Gott sein...
(Siehe: A.Mertensacker, Geführt von Dämonen, Mohammed im Urteil seiner Zeitgenossen, hrsg. Postfach 2168, 59531 Lippstadt)

Papst Johannes Paul II. betont das, was als gemeinsam angesehen werden kann: Der Glaube an den einen, allmächtigen und barmherzigen Gott. Er nennt aber auch das, was zutiefst das Christentum unterscheidet vom Islam: Den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der für uns gekreuzigt wurde und uns erlöst hat.
Der Geisteskampf der kommenden Jahrzehnte wird sich auf den Islam beziehen. Neu gegenüber dem Kommunismus ist beim Islam, dass es nicht der bindungslose Mensch ist, dem wir gegenüberstehen, sondern der fanatisch gebundene, an Ideologien versklavte Mensch, der oft Massenmensch ist oder sein muss. Ein christlicher Professor im Heiligen Land, der über den Islam für Christen doziert, sagte mir im Privatgespräch: Er meine, im Islam sei Diabolisches. - P.Kentenich nennt als Gefahr für die Zukunft: Massenmenschentum, dämonisierte Menschen.

B. Der Blick auf Schönstatt soll uns in die Tiefe führen

Seit dem Gnadenjahr 2000 bauen wir besonders das Netzwerk der Liebe auf. Das Netzwerk ist zentriert um Heiligtümer (das sind unsere Mittelpunkte). Das Netzwerk Schönstatts ist ein Netz des Glaubens (Pilgerheiligtümer in New York einten viele zu Gebet und Solidarität nach dem Terroranschlag), des Vorsehungsglaubens (Wo war Gott? - "Der Glaube sieht Gott hinter allen Dingen..."), der Freiheit und der Liebe. Das Netzwerk Schönstatts fließt aus dem Liebesbündnis mit der Gottesmutter von Schönstatt.

Im Blick auf die heutige Zeit sagen wir: Liebe ist stärker!

- Stärker als die Mentalität des Todes, der Abtreibung, der Kinderfeindlichkeit, der Euthanasie.
- Stärker als die Mentalität einer liebearmen Distanziertheit gegenüber der Kirche, der profillosen Gleichgültigkeit gegenüber dem echt Christlichen. Heidnische Religionen sind beliebter.
- Stärker als die Glaubensschwäche bei Christen, die die tieferen Wahrheiten des Glaubens an den Dreifaltigen Gottes und der Menschwerdung des Sohnes Gottes schnell abtun als "theoretisch". Glaubenswahrheiten sind nicht theoretisch sondern Realitäten, auch wenn ich sie mit meinem begrenzten Verstand nicht begreifen kann. Die heilige Theresia vom Kinde Jesu bekennt: Ich verstand, dass Liebe wirklich Herz der Kirche ist, dass die Liebe alle Berufungen einschließt. Meine Berufung ist, die Liebe in der Kirche zu sein.

Der Hl. Vater spricht in Novo Millenio ineeunte deshalb von der Spiritualität der Gemeinschaft, die besonders von Familien ausgehen solle und den Blick des Herzens auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit lenken soll. (NMI Nr. 43f) - Die Liebe Gottes, die Liebe des Heiligen Geistes, ist stärker als eine bloß humanistische Sicht von Liebe.

Liebe Familien!
Das Wort Pater Kentenichs an Schönstatt "Herz der Kirche" zu sein, bedeutet eine stärkere Liebe zu Gott und Kirche als gemeiniglich üblich. Er sagte einmal: Wir schöpfen aus tieferem Gestein der Kirche. Wo Liebe erkaltet, dürfen wir und sollen wir die stärkere Liebe bringen. Als Beispiel nenne ich ein Ehepaar, das gebeten wurde sonntags den Wortgottesdienst zu halten, wenn kein Pfarrer kommen kann. Als Ehepaar bleiben sie in der Pfarrei und halten aus Liebe zu den oft auch alten Pfarrangehörigen den Sonntagsgottesdienst.

Liebe ist stärker als die Zweifel, die manche plagen, wenn sie sagen, das Christentum werde verschwinden. Die Liebe Christi befähigt uns, an der Überzeugung festzuhalten, dass letzten Endes das Christentum siegen wird
a) weil es Freiheit lässt, nicht den tötet, der vom Glauben abfällt,
b) weil es als Hauptanliegen, als Hauptgebot, die Liebe, einschließlich der Feindesliebe, betont,
c) weil Christus als Sieger in ihr bleibt bis ans Ende der Zeiten.

Der Kommunismus wurde letztlich durch die Liebe überwunden. P. Kentenich sagt: Im Menschen stecke Freiheit und Liebe als Urtrieb, und die lassen sich auf die Dauer nicht unterdrücken.

Die Stärke der Liebe im Sinne von Ausdauer und Hochherzigkeit soll uns zu einer hochgradigen Liebe führen, auch wenn man bei ungleichen Bedingungen "der Dumme" ist, bei Hass und Terror oder Gewalt nicht mit gleicher Gewalt zurückschlägt. - Deshalb: Fahrt hinaus auf den Ozean der heutigen Zeit und kündet es durch Wort und Taten: Liebe ist stärker!

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