Bundesfamilien berichten       -      Juli - August 2003

            

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Internationaler Familienbund in Paraguay

In Paraguay küsst man doppelt ...

... erst auf die rechte Wange, dann auf die linke Wange; und von diesem Begrüßungszeremoniell sind auch die Schwestern und die "Padresitos" nicht ausgeschlossen. Beim ersten Mal entschuldigten sich einige vorsichtige Paraguayerinnen bei uns Deutschen, das sei so Sitte in ihrem Land und sei Ausdruck der Herzlichkeit.

Wir, die Ehepaare Martin und AB.Gerber, haben in den knapp 14 Tagen erlebt, dass diese Herzlichkeit wirklich das Markenzeichen von Paraguay ist. "Nación de Dios, Corazón de America" (Nation Gottes, Herz Amerikas), so lautet der Name des Nationalheiligtums in Tuparendá. Dieser Name ist offensichtlich das Programm des kleinen südamerikanischen Landes (4,7 Millionen Einwohner), in dem die MTA-Bilder allgegenwärtig sind: Als Reliefs an Hauswänden und als Plakate in Schaufenstern mitten in Asuncion; als Bildstöckchen längs der "Autobahn" zwischen Asuncion und dem 30 km östlich gelegenen Tuparendá (aber auch weit darüber hinaus), die regelmäßig wie Kilometersteine als unübersehbare Wegmarken aufeinander folgen und zum Rosenkranzgebet einladen; liebevoll geschmückte Bilder in den Hausheiligtümern und Abbilder in den Herzen der Bundesfamilien. Menschen, die die Gottesmutter und unseren Vater und Gründer im Herzen tragen, können gar nicht anders sein als herzlich. - Und deshalb küsst man in Paraguay doppelt!

Jedoch der Reihe nach: Start war am Donnerstag, 24.Juli, 22.00 Uhr ab Frankfurt, Ankunft am 25.Juli gegen Mittag in Asuncion. Die Fahrzeit scheint so kurz, weil wegen der Zeitverschiebung dazwischen eine um 6 Stunden verlängerte Nacht liegt. Am Rest des Freitags und am Samstag wurden wir zu kleinen Unternehmungen, Mahlzeiten und Übernachtungen von einer Familie zur anderen weitergereicht, um dabei von der Federacion de Familias in Deutschland zu erzählen und vom Leben des Familienbundes in Paraguay zu hören.
Eindrucksvoll war am Freitag-Abend die Abendmesse im Stadtheiligtum von Asuncion, im "Santuario Joven". Wegen der großen Anzahl der Teilnehmer wäre es völlig aussichtslos, diese ganz gewöhnlichen werktäglichen Abendmessen im Heiligtum feiern zu wollen. Der Altar steht vor dem Heiligtum oder (so war es an jenem dunklen, tropisch-winterlichen Freitag-Abend) die Messe wird in der Wallfahrtshalle neben dem Heiligtum gefeiert. Auffallend viele Jugendliche und junge Familien waren anwesend und gestalteten die Messe mit schwungvollen Liedern.

Am Sonntag dasselbe Bild im Nationalheiligtum in Tuparendá. Man versicherte uns, dass dies eine ganz normale Sonntagsmesse sei; nach unseren Verhältnissen in der Gestaltung und der Teilnehmerzahl vergleichbar mit dem Diözesantag einer deutschen Diözese.
Nach dem festlichen Mittagessen im Schwarzwaldhotel (mit Schwarzwälder Tracht und Kuckucksuhren!), bezogen wir in der Sommerresidenz einer Bundesfamilie unser Quartier. Das "Gipfeltreffen" der vier autonomen Bundesgemeinschaften konnte beginnen.

Kardinäle beim laikalen Gipfeltreffen

Wie in der Pfingstwoche 2000 in Hillscheid, so tagten vom 27.-31.Juli 2003 die Bundesführerfamilien und die 1.Ratsfamilien der vier autonomen Bundesgemeinschaften Argentinien, Chile, Paraguay und Deutschland unter Mithilfe ihres "Gold"igen Dolmetscher-Ehepaares in San Bernardino am Ypacarai-See. Die Teilnehmer dieser "Gipfelkonferenz" waren in zwei Ferienhäusern untergebracht. Das Klima war angenehm, tropisch-winterlich, so dass als Speisesaal die zweiseitig offene Eingangshalle und als Tagungsraum ein allseitig offener Pavillon direkt am Seeufer dienten. Im Haus wäre es eng geworden für 18 Personen.





So offen wie die Tagungsräume, durch die mitunter ein kräftiger Wind wehte, so offen und vom Heiligen Geist der Liebe und Herzlichkeit durchweht waren auch die Gespräche. Details über die Ergebnisse der Beratungen werden an anderer Stelle mitgeteilt. Nur so viel sei hier gesagt: Es ging um Fragen der Weltföderation des Schönstatt-Familienbundes. Nach vorausgegangenem gewissenhaftem Studium der "Mens Fundatoris" und nach gründlicher Beratung auf der Tagung fassten die Tagungsteilnehmer in großer Einmütigkeit zahlreiche Beschlüsse hinsichtlich der zukünftigen Föderation der Territorialen Bundesgemeinschaften zu einem internationalen Familienbund.

Wenn eine Laiengemeinschaft an der Schwelle zu einem solch historisch bedeutsamen Ereignis seiner Ausgründung steht, dann ist es gut und recht, dass die offizielle Kirche ihre Beobachter zu diesem Treffen schickt. Solche waren während des Treffens zahlreich vorhanden, lenkten gelegentlich die Aufmerksamkeit der Tagungsteilnehmer auf sich und erfreuten sie durch ihre dahingezwitscherten Zwischenbemerkungen. Die kleinen, flinken, tropischen Vögelchen mit den auffallend roten Köpfen, die den stolzen Namen "Kardinal" tragen, hüpften um die Tagenden herum und trugen zur Auflockerung bei, wenn die Gespräche drohten ins Stocken zu geraten. Vor allem dort, wo Brosamen lagen, zwitscherten die Kardinäle ganz besonders fröhlich.
Die zierlichen Kardinäle ...
... interessieren sich mehr für Brosamen als für die Diskussion der Laien
Wenn sogar Kardinäle nur wenig Interesse für die Konferenz der Laien zeigen, dann kann man von dieser vierbeinigen Tagungsteilnehmerin, die uns regelmäßig besuchte, erst recht keine Aufmerksamkeit erwarten.

Von den abendlichen Begegnungen und Erlebnissen sei erwähnt die Eucharistiefeier in der Wallfahrtskirche von Caacupé, in der von Papst Johannes Paul II eingeweihten größten Kirche von Paraguay, die man als das "Altötting von Paraguay" bezeichnen könnte. Der Bischof der Diözese Caacupé ist Schönstattpater; er feierte wenige Tage danach mit dem amerikanischen kontinentalen Treffen in Tuparendá die Heilige Messe.


"Con el Padre - Duc in Altum"

Dieses Motto des ersten amerikanischen kontinentalen Treffens klingt uns sehr vertraut. "Duc in altum" ist auch in Paraguay der Wegweiser für den Familienbund, und vermutlich orientieren sich spätestens nach den beiden kontinentalen Treffen in Europa (11.-15.Juni) und Amerika (31.Juli - 3.August) alle territorialen Bundesgemeinschaften an diesem Aufruf des Heiligen Vaters aus dem Jubiläumsjahr 2000.

Das amerikanische Treffen fand in Tuparendá statt. Dieser Ort ist ein bisschen vergleichbar mit dem Gelände des Josef-Kentenich-Hofes: Zwar nicht so ruhig und abgeschieden, aber auch auf einem sanft geneigten Abhang gelegen mit geradezu beneidenswert viel Platz für das Wachstum der Schönstattbewegung in den kommenden Jahrhunderten: 80 Hektar!

Auf dem weiten Gelände verstreut stehen bereits das Heiligtum mit Sakristei, daneben ein "Vaterplatz", in größerem Abstand ein riesiges Kreuz der Einheit und eine Wallfahrtshalle, die Großveranstaltungen vor Tropensonne und Regen (auch den gibt´s zuweilen in Paraguay) schützt. Das Portal einer großen Wallfahrtskirche ist auch bereits errichtet, Opferstöcke stehen bereit zur Mithilfe an der Vollendung dieses Werkes. Jenseits eines ausgetrockneten Bächleins steht das Noviziat der Patres und die "Casa de Retiros", das Tagungshaus, welches aus - wenn wir recht gezählt haben - neun Pavillons besteht, die verbunden durch eine entsprechende Zahl von Laubengängen und Treppen an dem dort etwas steileren Hang architektonisch recht ansprechend angeordnet sind.
Der "Vaterplatz"
Vor der Casa de Retiros

Etwa 250 Personen - nur Erwachsene - nahmen an dem Treffen teil: Delegationen aus Argentinien, Brasilien, Chile, Ecuador, Mexiko, Puerto Rico, USA, dazu wir Deutschen als liebe Gäste und natürlich die größte Gruppe aus Paraguay. Sie hatte als Gastgeber alles bestens vorbereitet, von der Ledertasche mit den Tagungsunterlagen bis zu den indianischen Tanzvorführungen. Die Opfer an Zeit und Geld, die sie zum Gelingen der Tagung brachten, lassen sich nur erahnen und im Gnadenkapital einlagern. Das war genau so wie im Juni bei unseren Familien, die für das Gelingen des europäischen Treffens gesorgt haben.


Beim Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag-Abend waren die Wege zum Heiligtum mit unzähligen Kerzen erleuchtet. Einzelne Territorien wurden in die Messgestaltung einbezogen: Am Beginn trugen Marité und Ramón Marini und Renate und Norbert Martin, die Bundesführerfamilien von Paraguay und Deutschland, ein riesiges MTA-Bild zum Altar. Unter den Symbolen und Gaben, die zur Gabenbereitung zum Altar gebracht wurden, war u.a. auch das Zepter der deutschen Bundesleitung, das Agnes und Berthold Gerber vortrugen. Als ermunternde Aufforderung im Rosenkranzjahr erhielt jede Familie einen Rosenkranz aus Herzen, der in einer herzförmigen Leder-Dose liebevoll verpackt war.

Wenn auch der Charakter des Treffens in erster Linie ein "Fest der Begegnung" war, so wurde doch in Vorträgen und Arbeitskreisen auch thematisch gearbeitet:
Freitag, 1.August: Unser Familienbund - Vorstellung der territorialen Bundesgemeinschaften.
Samstag, 2.August: Unsere Sendung - in Bezug auf die Familie und in Bezug auf die Internationalität des Familienbundes.
Sonntag, 3.August: Was würde uns der Vater heute sagen und wie lautet unsere Antwort als internationaler Familienbund.

Der Familienabend am Freitag bot eine bunte Vielfalt von Darbietungen aus allen Ländern. Man sagt, der Abend habe früh geendet, morgens um halb Drei. Wir alten Deutschen und die anderen vom Gipfeltreffen erschöpften Teilnehmer zogen uns allerdings um Mitternacht zurück, denn wir mussten noch fast eine halbe Stunde zu unserem Nachtquartier nach San Bernardino zurückfahren.

Am Samstag-Abend war jeder Arbeitskreis zu einem paraguayanischen Kurs eingeladen zum Abendessen und zu einem frohen und besinnlichen Beisammensein mit den Kursfamilien. Hier erlebten wir uns im kleinen Kreis als internationale Familie. Das gemeinsame Gebet im Hausheiligtum der gastgebenden Familie zeigte uns, wie stark alle Territorien mit dem Vater verbunden sind und aus den gleichen Quellen schöpfen.

Nach der festlichen Abschluss- und Aussendungsmesse am Sonntag endete das Treffen mit einem "asado", einem südamerikanisches Grillfest, unter musikalischer Begleitung einer fetzigen Blasmusik und kunstvollen Vorführungen indianischer Tänzerinnen, die beim Tanzen einen Krug auf dem Kopf balancierten.

So lebendig die Bewegung und der Familienbund in Südamerika ist, wir haben es als einen Mangel empfunden, dass bei allen Veranstaltungen die Kinder fehlten. Deshalb war es nicht nötig, kindgemäße Elemente in die Messfeiern einzubauen oder gar ein eigenes Kinderprogramm zu planen. Die Kinder werden von den Hausangestellten versorgt, während die Eltern an den schönstättischen Veranstaltungen teilnehmen.


Itaipú und Iguazú

Itaipú
Iguazú
Diese indianische Namen bezeichnen die beiden Weltwunder, die man besuchen muss, wenn man in Paraguay ist. Nach dem Treffen blieb noch ein bisschen Zeit, ins Dreiländereck Paraguay-Brasilien-Argentinien zu fahren, um das größte Stauwehr der Welt (Itaipú auf der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien) und die wasserreichsten (und somit hinsichtlich der Quantität auch größten) Wasserfälle der Welt (auf der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien) zu besuchen. Um diese Ziele zu erreichen, waren eine aufwändige fünfstündige Omnibusfahrt nach Ciudad del Este und zwei Übernachtungen bei Bundesfamilien und natürlich wieder die fünfstündige Rückfahrt nach Asuncion nötig. Aber die Fahrt hat sich gelohnt. Die Gespräche mit den Familien in Ciudad del Este und der Besuch im dortigen Stadtheiligtum, das nur von Laien und praktisch von den Bundesfamilien versorgt und finanziert wird, waren wertvolle, beglückende Begegnungen.

Den letzten Abend (Dienstag) verbrachten wir bei der Vize-Bundesführerfamilie Marucha und Freddy Ratti, am Mittwoch-Vormittag zeigte uns Ramón Marini die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt von Asuncion, während seine Frau Marité zu Hause darüber wachte, dass wir noch einmal ein gutes Mittagessen bekämen, und dann ging's ab zum Flughafen mit großer Verabschiedung - man küsst doppelt!

Und als wir am Donnerstag-Nachmittag in Frankfurt aus dem Flugzeug stiegen in den Backofen der Rheinebene, sehnten wir uns bereits wieder nach Paraguay zurück: Denn dort war die Temperatur angenehm gewesen. Es blieb uns nur der Trost, für 14 Tage der deutschen Sommerhitze entflohen zu sein in die wohltemperierten Tropen!
abg
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