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„Familienfragen auch auf wissenschaftlicher Ebene entdecken“ Drucken E-Mail
Norbert Martin vom Päpstlichen Familienrat zum VI. internationalen Weltfamilientreffen, das nächste Woche in Mexiko-Stadt beginnt

Nächste Woche beginnt das VI. Weltfamilientreffen in Mexiko-Stadt. Die

Begegnungen vom 13. bis 18. Januar stehen unter dem Motto „Familie – Erzieherin zu menschlichen und christlichen Werten“. Für den vorgeschalteten Pastoralkongress werden 20 000, für die Abschlussmesse selbst um zwei Millionen Teilnehmer erwartet. Gesandter des Papstes in Mexiko ist Kardinal Bertone. Aus Deutschland nehmen Norbert und Renate Martin vom Päpstlichen Rat für die Familie teil. Regina Einig sprach mit Norbert Martin über seine Erwartungen.

Welcher Gedanke prägt die Weltfamilientreffen?

Die Weltfamilientage sind auf universale Familienthemen angelegt, aber daneben spielen natürlich die sozialen und kulturellen Probleme des jeweiligen Veranstaltungslandes eine wichtige Rolle.

Schwindet das Interesse an Weltfamilientreffen, wenn der Papst absagt?

Für anreisende Ausländer ist das sicher ein Faktor. Für die Mexikaner glaube ich es weniger. Der Päpstliche Rat für die Familie hat als Mitveranstalter schon vor zwei Jahren Programme an die Diözesen geschickt und versucht, die Bischofskonferenzen zum Mitmachen zu animieren. Das gelingt allerdings in unterschiedlicher Weise je nach den Akzenten, die die Familienpastoral in den Ländern setzt. In Italien, Nordamerika und auch manchen afrikanischen Staaten zum Beispiel war das Interesse an den WFT schon immer größer als in Deutschland. WFT haben hier nicht die Publizität der Weltjugendtage.

Wie könnte das institutionalisierte kirchliche Interesse an der Familie in Deutschland gefördert werden?

In Polen, Italien und in vielen anderen Ländern hat die Kirche die Familienfragen auch auf wissenschaftlicher Ebene entdeckt und beispielsweise gute Erfahrungen mit Instituten für Familienpastoral und -theologie gemacht, die Fachleute ausbilden. Beispiele dafür sind das Institut Johannes Paul II. in Rom und das Institut für Familienwissenschaften bei Warschau. Leider fehlt eine vergleichbare Einrichtung in Deutschland. So wichtig etwa der Aufbau eines katholischen Fernsehens oder auch von Diözesanmuseen ist, so wertvoll wäre eine nachhaltige Investition in ein solches Institut.

Was könnte das Institut leisten?

Ziel wäre, Studiengänge einzurichten, die zu qualifizierten Abschlüssen führen, damit Familiensachverständige für Kirche und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Dazu bräuchten wir eine Stiftung. Dozenten, Curriculum und leere Gebäude wären vorhanden und die Anerkennung der Bildungskongregation sollte ebenfalls kein Problem sein.

Die öffentliche Aufmerksamkeit scheint derzeit im Bann der Finanzkrise zu stehen.

Rechnen Sie damit, dass wirtschaftliche Fragen auch das Weltfamilientreffen beherrschen?

Die besondere kulturelle und politische Situation Mexikos legt andere Themenschwerpunkte nahe: In Mexiko herrscht ein starker politischer Laizismus und Säkularismus. Das religiöse Leben der Bevölkerung ist vor allem auf dem Land noch vom Synkretismus geprägt. Hinzu kommen Fragen, die Familien in Europa vergleichsweise weniger beschäftigen, etwa die Frage der Stellung der Frau, die vielfach als nicht gleichwertig behandelt wird, und das Machismo-Problem, Drogen und Prostitution. Alle diese Themen spielen in Lateinamerika eine gewichtigere Rolle als Finanzfragen, auch wenn sie teilweise durch die wirtschaftliche Situation bedingt sind.

 
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